Samstag, 16. Januar 2010

Fotografen vor der Tür

"Lächle und sei froh, denn es könnte noch schlimmer kommen. Ich lächelte und war froh und siehe da, es kam noch schlimmer."

Passend zur weihnachtlichen Bescherung haben z.B. Fotografen der Associated Press (AP) nach der Fusion mit ddp die Kündigung unterm Weihnachtsbaum gefunden.

"Quo vadis, Fotojournalismus?" hatte ich schon im Juni letzten Jahres gefragt.

Und siehe da, es kam noch schlimmer.

"Geiz ist geil!" Ursache der Krise?

Oder auch die Frage "Ist Microstock dran schuld?" Meine eindeutige Auffassung: Ja! Dreimal "Ja!"

Sind wir uns doch über eines im Klaren: Nicht nur uns kleinen Ein-Mann-Einzelkämpfer-Agenturen hat das Wegbrechen des allgemeinen Illustrationsfoto-Marktes getroffen. Es trifft auch die Großen. Sind wir uns doch im Klaren: Keiner von uns hat wirklich sein Geld nur mit News und Features verdient. Sondern mit Illustration aus dem Archiv. Und die "Bigplayer" der Presseagenturen doch auch.

Was denn nun aber, wenn solche Fotos plötzlich zu einem Bruchteil des Preises zu haben sind, der notwendig ist, um überhaupt kostendeckend zu arbeiten? Gar nicht zu reden von "Gewinn".

Dann geht es halt - folgerichtig, das ist immer so (!!!) - erst mal daran, Lohn- und Lohnnebenkosten zu sparen. Dann werden Menschen auf die Straße gesetzt. Da ist es dann "wurscht", ob das bei Opel ist, bei Quelle oder bei der ehemaligen AP. Oder der WAZ.

Und mal ehrlich: wir Einzelkämpfer handeln doch genauso!

Ich habe meine "Radikalkur" doch auch deswegen gemacht, weil mich Bildmaterial viel Geld gekostet hat und ich dem einfach mal die potentiellen Chancen einer lukrativen Vermarktung gegenübergestellt habe.

Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen: Wenn Bildmaterial, das mich Monat für Monat Geld kostet auch beim billigen Jakob zu haben ist, dann gebe ich dafür kein Geld mehr aus. Weil es sich für mich nicht rechnet. Aus Veröffentlichungen dieses Materials hatte ich noch nicht mal die Kosten gedeckt. Und von diesem Verlust mußte ich noch 50% als Gewinn an den Autoren weitergeben. Ich hatte zweimal draufgezahlt!

Arbeitslos = mehr Konkurrenz

Es wird also ein neues Rudel "frischgebackener" Freiberufler auf den Markt drängen und auch sein Stück vom nicht mehr vorhandenen Kuchen haben wollen. Ein Kuchen, von dem mit Glück noch ein paar Krümel da sind.

Der Job-Killer Billigmarkt weitet sich aus

Red Carpet bei Microstock ist noch ein weiteres Tüpfelchem auf dem i. Der rücksichtslose Angriff auf Existenzen!

Der "Lohn" der Arbeit rauscht in den Keller. Überall. Rundum. Da können wir im dunklen Wald noch so laut rufen. Von "Nischen" reden, die wir "besetzen" müssen. Ja, ich höre schon die ganz Klugen wieder sagen: "Wenn das Jammern aufhört fängt der Erfolg an." Auch so ein Spruch. Die Wahrheit ist die, daß wir uns weiter wie die Bekloppten "prostituieren" werden (wie ich es auch in einer Kommentarantwort bei meinem Artikel über MyRegioClip gesagt habe). Wir werden weiter wie sauer Bier unsere Arbeit in den höchsten Tönen anpreisen und uns mit noch mehr Konkurrenten rumschlagen.



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Kommentare:

  1. Mit Sicherheit hat Microstock einen erheblichen Anteil zu dieser Entwicklung beigetragen. Aber denkst Du nicht auch, wenn Fotografen die ein und selben Bilder bei RF Agenturen zu Microstockpreisen und gleichzeitig traditionell zu MFM Preisen verkaufen, dass dieses Verhalten die derzeitige Entwicklung nur unterstuetzt und betreffende Fotografen sich mit der Zeit das Wasser selbst abgraben?

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  2. Hallo, Michael,

    ich denke, Du meinst mich selbst, mit dem Artikel, was denn so bei mir RM und RF läuft.

    Ich sage: Ja und Nein.

    Man ist ja dazu gezwungen. Es gibt nunmal Bilder, die laufen allenthalben. Stimmt, irgendwo ist das "pervers". Aber das ist ja auch die "Schizophrenie" des Profis: er verhökert sich, wo es sich lohnt.

    Wenn ich sehe, daß ich eine "laufende" Serie habe, dann denke ich gleich an ein "Remake".

    Ja, ich mache da auch selbst mit. Weil ich muß. Unsere Wohnung kostet viel Miete und unser ererbtes Haus frisst auch viel.

    Bei allem, was ich mache, denke ich nur: "Was kostet das Heizöl? Was kostet der Winterdienst?"

    Ich muß das bezahlen! Und das geht in die Tausende jedes Jahr.

    Ich muß das bescheuerte Spiel einfach mitmachen, ob ich will oder nicht.

    Und solange die Hobby-Knipser nicht checken, daß sie ausgebeutet werden (von "Profis" wie unserem Freund Robert will ich gar nicht reden), solange zwingt uns Profis der Markt zum Mitmachen.

    Es wird sich was ändern, wenn alle Fotografen irgendwann sowas wie Solidarisierung wieder in ihr Vokabular aufnehmen.

    Frei nach dem Motto: "Wir sind das Volk!"

    Und zwar: "Wir alle!"

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  3. Diese Kosten, Miete, Heizoel etc. hab ich auch. Ich muss auch heizen im Winter, wenn auch nicht soviel wie Du...;-)
    Trotzdem spricht doch nichts dagegen RF und RM Bilder konsequent zu trennen. Alles was allgemein nur noch ueber Micros laeuft, kann der Fotograf ja als RF laufen lassen, wenn er meint das Ihm das was einbringt. Dann sollte er aber seine Bilder aus der RM Schiene rausnehmen. Kunden bekommen das doch irgendwann auch mal spitz, wenn ein Bild in APIS 2mal angezeigt wird, einmal RM ueber die eigene Datenbank und 3 Reihen weiter fuer 5,- bei Fotolia. Frueher wars doch auch so. Hat man einer RM Agentur eine Bildserie geschickt und aus der Serie lief auch nur 1 Bild bei ner RF Agentur, ist man Gefahr gelaufen das die Bilder nicht angenommen wurden oder man gar den Vertrag gekuendigt bekam.

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  4. Mit der Solidarisierung ist das in der Tat so eine Geschichte. Ich kann mich entsinnen, vor ein paar Jahren da hab ich nen Kameramann kennengelernt, der beim Sender in Athen rausgeflogen ist oder gekuendigt hat. Der hatte auch null Ahnung wie er selbstaendig was auf die Beine stellen sollte. Ich hab Ihm dann erstmal Starthilfe gegeben, Ihn mit zu meinem Steuerberater genommen, Tipps zwecks regelung der Krankenversicherung und an meine Stammkunden vermittelt damit er ein paar Auftraege reinbekommt. Was war der Dank? Als wir beide eine Veranstaltung MEINES Stammkunden dokumentiert haben, wollte ich von seinem Tape eine Szene bei der ich zu sehen war wie ich arbeite, auf CD haben. NUR die paar Sekunden...dafuer sollte ich dann bezahlen...

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  5. Wenn weltweit zunehmend Menschen dauerhaft arbeitslos werden, werden sie viel Zeit haben. Und statt der Beschäftigung durch Andere werden sie sich nun selbst beschäftigen müssen, viele auch um ihrem Leben noch bzw. wieder irgendeinen Sinn zu geben.

    Also werden sie diese Zeit z.B. in Familie oder "Hobby" stecken können. Falls das bei einem Hobby auch noch mit relativ geringen Mitteln möglich ist und damit weltweite Verteilung und weltweiter Zuspruch prinzipiell möglich sind, wie das die heutigen digitalen Medien (Audio, Foto, Video) zeigen. Und Blog-, Bild- und Videoplattformen "kostenlos" angeboten werden, so man denn noch einen kostenpflichtigen Internetzugang bezahlen kann.

    Was sollen denn die Menschen machen? Der Rückweg in das analoge Erstellen von Medien ist doch weitgehend verbaut, wir sind alle abhängig vom digitalen Geschehen geworden bzw. haben uns aktiv davon abhängig gemacht!

    Und damit von denen, die die nationalen bzw. weltweiten Organisationsstrukturen und Vertriebskanäle für digitale Medien geschaffen haben und kontrollieren.

    "Das Volk" rackert sich ab für Inhalte (content) und definiert sich freudig darüber, ob Hobbyknipser, Amateur oder Profifotograf, "die Mächtigen" organisieren und kontrollieren die digitalen Ströme für beliebige Inhalte! Und definieren sich und die Abhängigen über "Traffic" und "Clicks"! Das Perverse daran ist: die Contentproduzenten kontrollieren sich gegenseitig selbst (!) im Auftrag der Mächtigen über ihr "Click- und Kommentargebahren".

    All diese Plattformen dienen (primär?) dazu, die Leute bzgl. des Produzierens von Content süchtig zumachen, denn es ist ja sooo einfach, etwas zu produzieren un d dann da hochzuladen. Und sich anschließend auch noch gegenseitig über weitgehend anonyme Bewertungen zu kontrollieren und klein zu machen.
    Und dabei vergessen diese Menschen, sich Gedanken über Strukturen und Vertriebskanäle für die von ihnen erzeugten Inhalte zu machen. Das erledigen dann wenige andere für sie und erfreuen sich an den emsigen Contentproduzenten!
    Denn wenn diese Plattformen was kosten würden, dann würden sich viele überlegen, ob und vor allem welche ihrer Inhalte sie da hochladen würden.

    Selbst für Hobbyleute ist nicht mehr wichtig, ob sie mit Freude und Genugtuung ein Werk geschaffen haben und sich und andere daran erfreuen können. Sondern viel wichtiger ist es, in dem vorgegeben anonymen Click-Wahn-Rahmen, ob ich möglichst viel Clicks bekomme, damit ich mich bestätigt und wichtig fühlen und - so ich auch noch beim Unsinn "Monetisieren" via z.B. Google Adsense mitmache "um Geld zu verdienen" – vermeintlich besonders gut dastehe.

    Die Frage, die sich jeder früher oder später stellen muß, ist, ob er die vorgegebenen Rahmen, in denen die Spiele nach von anderen vorgegebenen Regeln verlaufen, um jeden Preis akzeptieren und mit seiner Lebensenergie "füttern" will.

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  6. Rf aus RM rausnehmen?

    Keineswegs.

    Es ist och so: bei einer Recherche werden doch ohnehin die ersten Treffer genommen, wenn der Kunde sagt "Ja, das isses, was ich suchte!"

    Und meine RM sind verschlagwortet "wie nix". Da sind hundert und mehr Keywords drin. Weil ich auch "um die Ecke denke". Meine berühmten assoziativen Begriffe.

    Und bei RF wird das limitiert (angeblich, um Keyword-Spamming zu vermeiden). Da muß ich mehr als die Hälfte meiner Keywords rausnehmen.

    Und wenn dann einer eben genau assoziativ sucht, dann komme ich bei RF oder Micro nicht vor. Aber unter "Pressebuero ROTH".

    So einfach ist das. Ich will halt immer in der Trefferliste sein.

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  7. Bei der Solidarität glaube ich ja immer noch an das "Gute im Menschen". Konkurrenzkampf hin oder her. An die Erkenntnis, daß man nur miteinander gegen die "Mächtigen" ankommt und was erreichen kann.

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  8. @ Peter Molz:

    Hundert Punkte! Den Nagel genau mitten auf den Kopf getroffen!

    Ich will nicht "um jeden Preis" akzeptieren.

    Ich mache in dem "Spiel" (denn es ist kein Spiel, sondern bitterer Ernst) zwar mit, bis zu einem gewissen Maß jedenfalls, aber ich versuche auch, "aufzurütteln", was zu bewegen, ich unterstütze den DJV, Verdi, den BVPA, soweit es mir mit meinen bescheidenen Mitteln möglich ist.

    Ich versuche den "Spagat" zumindest.

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  9. Zitat Peter:

    "Das Volk" rackert sich ab für Inhalte (content) und definiert sich freudig darüber, ob Hobbyknipser, Amateur oder Profifotograf ...

    Das ist genau der Punkt!

    Der Unterschied zwischen Profi und Amateur ist einzig und allein der, ob ich mit meiner Knipserei meinen Lebensunterhalt bestreiten muß. Sonst nix. Es gibt "Hobbyfotografen", die stecken mit ihrem Können jeden Profi in die Tasche!

    Der Punkt ist der:

    Wer nicht davon leben muß, der sollte sich das mal ganz deutlich bewußt machen !!!

    Der sollte auf dem Markt nicht beim Preis-Dumping in Erscheinung treten, sondern sich an das - althergebrachte (ja, ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Nostalgiker und stockkonservativ) - "Übliche" und "Bewährte" halten.

    Und jedenfalls nicht unter ein Minimal-Limit gehen.

    RF habe ich ja als Kröte geschluckt, aber Micro ...

    Mein Gott, er ein regelmäßiges Einkommen "in der Hinterhand" hat und dann microstockt, um sich ein paar Cent dazu zu verdienen ("Schau mal, Tante Hannelore, ich verkaufe meiner super Bilder ganz doll über Fotolia!"), der ist doch wirklich nur "billig".

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  10. Ich möchte da auch noch auf den "Parallel"-Beitrag bei Michaels Blog verweisen.

    Und da auch auf meine Aussagen, daß sie nun allenthalben "aus den Löchern" kommen und den Kollegen, die grade ihren Job verloren haben, gute Ratschläge geben, wie man sich erfolgreich selbständig macht.

    Leute, das ist zynisch.

    Wenn einer Mitte dreißig ist, dann ist das okay, ja, aber da gibt es auch welche, die sind, wie ich, Ende der Fünfziger! Und da ist das der blanke Hohn ...

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  11. alles wurde hier schon gesagt alles stimmt.

    was unsereinen noch am leben hält ist die handy nr. ( meine handy nr. ) im notizblock des redaktionsleiters oder des redakteurs.

    diese überaus wichtigen leute arbeiten nicht mit amateuren oder unbekannten profis, sie arbeiten mit denen leuten die sie kennen.

    sie rufen mich an für einen auftrag und nicht den fliegenden robert....und das ist gut so.

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