Mittwoch, 6. Oktober 2010

Digital vs. Film - eine Frage der Aufgabenstellung

Es ist kein Anachronismus, sich mit dieser Frage zu befassen. Jedenfalls außerhalb der News-Fotografie, wo schnell zu sein ein Faktor für den Erfolg ist. Und unter der Prämisse, daß von "Film" nur Amateure sprechen. Profis sprechen in Formaten. Sie reden von 35 mm, von 120er, von 220er, von 4x5 Inch. Und sie unterschieden zwischen Dia, Negativ, SW und Farbe. Sie wissen, daß "Film" auch grafische Filme sind, Lithfilm oder Dye Transfer. Deshalb sprechen Profis nicht einfach von "Film". Sie sind in der Lage, zu differenzieren. Auch nach Einsatzzweck und Aufgabenstellung.

Architektur und Landschaft, Ausstellungs- und Kunst-Fotografie, Domäne des klassischen Aufnahmematerials

Ein klarer Vorzug, den selbst KB-Film 24x36 gegenüber einem Chip besitzt, ist seine Auflösung und seine Zeichnung in Lichtern und Schatten. Penibel korrekte Belichtung vorausgesetzt (der gute alte Handbelichtungsmesser mit Diffusor-Kalotte für Lichtmessung läßt schön grüßen!).

In der editoriellen Fotografie, in der fast nur noch digitale Vorlagen Verwendung finden, egalisiert sich dieser Vorteil bereits durch die Fähigkeiten der Druckmaschine (ich hatte darüber geschrieben).

Gehe ich hingegen in andere Bereiche der Fotografie, so kommen die Vorzüge des analogen Aufnahmematerials durchaus zum Tragen. Und auch die Vorteile des Mittelformats. Mit diesen "anderen Bereichen" meine ich zum Beispiel "Wall-Art", z.B. Ausstellungsfotografie in großen Formaten ab 30x40 Zentimeter.

Seien es nun Architekturen, Landschaften ...

... oder künstlerische Akte. Themen eben, die einem eine gute Galerie durchaus verkauft, wenn es sich um limitierte, numerierte und signierte Vintage-Prints zu einem vernünftigen Preis handelt.

Die Aufnahmen unten für eine Ausstellung über das Elsaß, mit dem Ziel, seine immer etwas leicht morbiden Strukturen darzustellen, entstanden mit einer Asahi Pentax 6x7 und 45-mm-Objektiv, was bezogen auf 24x36 mm, einer Brennweite von 28 mm entspricht (im Bild oben sieht man die Kamera mit einer Optik von 150 mm, entsprechend 85 mm bei KB).

Fotografiert wurde auf Kodak Tri-X (den gibt es seit 1955 bis heute!), gepusht auf 1.000 ASA und forciert entwickelt (auf 1.600 ASA, somit 1 Blende Überbelichtung), um das Filmkorn richtig schön nostalgisch "rauszukitzeln".

Das SW-Negativ wurde im Kontaktverfahren insgesamt zweimal auf Strichfilm umkopiert, um zunächst ein Positiv und dann wieder ein Negativ zu erhalten. Durch den zweimaligen Kopiervorgang auf den hart arbeitenden Lithfilm wurden die Zwischentöne nahezu vollständig reduziert. Ich erhielt somit ein stark grafisch wirkendes Bild, teilweise noch durch Solarisation verstärkt (s. links oben).

Das endgültige Lithfilm-Negativ hat somit gleichfalls eine Größe von 6x7 cm. Und von diesem Negativ erstelle ich problemfrei gestochen scharfe Prints bis zur Größe von 60x90 Zentimetern (die Abzüge in der Präsentationsmappe sind im Format 30x40 cm).

Der Wermuts-Tropfen: die Pentax 67 wird nicht mehr produziert und ist somit nur noch auf dem Gebraucht-Markt zu erwerben. Und meine Asahi Pentax 6x7 wurde, wie die Hasselblad und die Rolleis, schon vor langer Zeit verkauft. Aus heutiger Sicht ein Fehler. Und die Seagull im Bild links, die ich noch besitze, ein chinesischer Nachbau einer zweiäugigen Rolleiflex im Format 6x6, ist mangels Wechselobjektiven halt leider nur bedingt zu verwenden. Das 80-mm-Objektiv entspricht (bezogen auf KB) einer 50-mm-Normalbrennweite. Nun gut, damit kann man fotografieren, hat aber kaum Möglichkeiten, etwa mit einer Weitwinkel-Perspektive zu arbeiten. Wer den natürlichen Augeneindruck bevorzugt, der wird darin kein Manko erkennen. Ich selbst, das sieht man auch an meinen Ausstellungsbildern, ziehe allerdings bei Architekturen gerne ein Weitwinkel vor.

Doch es gibt Ersatz.
Nicht nur die Hasselblad.

Mittelformatkameras von Mamiya

Die Mamiya RZ67 PRO IID ist eine Kamera, die es dem professionellen Anwender erlaubt, wahlweise digital oder analog zu arbeiten. Und die Mamiya 7 II ist eine analoge Meßsucherkamera mit Wechselobjektiven für das Idealformat 6x7. Ein Gerät für mobilen Einsatz, wohingegen die RZ67 doch eher stationär im Studio geeignet ist.

Die Mamiya 7 steht, wie die Fuji Finepix 100X, mittlerweile auf meinem "Wunschzettel".

Die Website von Mamiya bietet Informationen rund um diese Kamera-Systeme.

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===> Editorielles Bildmaterial (auch mit künstlerischem Touch) finden interessierte Redakteure und Lektoren auf meinem Mecom-Pool (recherchierbar auch über APIS und i-picturemaxx)

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Kommentare:

  1. Hallo Franz,
    in den einschlägigen Fotozeitungen liest man ja immer wieder, dass es noch Profis gibt, die auf Film fotografieren. Vor allem sind das Leute, die mit Großformat arbeiten. Wenn ich recht erinnere wurde sogar der Mare Bildband Irland von Heike Ollertz mit einer alpa auf Rollfilm fotografiert. Dennoch: die Qualität von Digitalkameras auch im Highendbereich ist inzwischen einfach besser als der Film. Dazu gab es vor einigen Monaten ein Vergleich in der Profifoto (?), wo Hasselblad Film und Digital gegenübergestellt wurden. Das Ergebnis war sehr eindeutig.
    Die Mamiya hätte ich in der Version 6 auch gerne mal gehabt. Die 7 II kostet gebraucht bei Fotopartner z.Z. 900,- € , natürlich ohne Linse. Mir würde die langsame Arbeitsweise dieser Art von Kamera wieder einmal gefallen. Ein Traum wäre eine alpa mit Digiback. Dann müsste ich allerdings mein Auto verkaufen ;-))

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  2. Hallo, Ralf,

    die rein technischen Vergleiche sind immer Theorie. Sie berücksichtigen selten, wie das Endergebnis z.B. auf Papier aussieht, ob es da einen Unterschied gibt.

    Für einen Bildband, wie den von Mare, wird natürlich mittels High-End-Scanner eine digitale Druckvorlage erzeugt. Dessen Fähigkeiten, Film zu digitalisieren ist daher das entscheidende Kriterium.

    Für mich persönlich ist aber auch - du nennst es auch - die "Entschleunigung" ein Kriterium. Ein durchaus emotionales (oder "psychologisches")Kriterium. Ein "Back to the Roots", weg vom Zwang permanent neuer Massenproduktion. Zurück zum "ballader" und "strolling": zur Ruhe auch im Sehen und Gestalten. Weg vom Verschluß-Dauerratschen ("Mach zwanzig Aufnahmen, Kamera nach hier, Kamera nach da, Zoom vor, Zoom zurück, und es wird das Bild dabei sein, das du willst.").

    En passant: Film vs. Digital und Is Film Going Away? sind übrigens zwei Artikel von Ken Rockwell zu der Thematik, die recht interessant sind.

    Viele Grüße
    Franz

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