Donnerstag, 9. Juli 2009

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Während allenthalben der Bär steppt um das Microstock-Thema möchte ich hier mal wieder ein anderes Faß aufmachen.

Ich schicke voraus: Ich bin kein Fotograf!

Bitte wie? Bitte was?

Nein, ich bin kein Fotograf. Ich bin Journalist! Zufälligerweise fotografiere ich gar nicht so übel. Aber ich schreibe auch. Ich war mal Hobby-Fotograf. Jawoll! Da war ich Fotograf. Da habe ich auch das fotografiert, was mir Spaß gemacht hat. Wenn ich jetzt sage, das ist seit 23 Jahren vorbei, dann meine ich nicht, daß mir Fotografieren seither keinen Spaß mehr macht. Da wär' ich ja völlig meschugge ...

Fakt ist, ich arbeite in erster Linie wie eine Redaktion, mit dem Komplettpaket Bild und Text. Mein Büro ist keine Bildagentur, sondern ein Pressedienst. Und unser Fokus ist der Alltag, sind die Features, ist das Informative und ist die Unterhaltung. Oder anders gesagt: ist erst mal die Recherche, die Suche nach verkaufbaren Themen. Und das geht dann zielgruppengerecht an die jeweiligen Medien aus dem Haus. Früher als Manuskript auf Papier und die Fotos als Print oder Dup-Dia per Post, heute als Bilderdienst über den Mecom-Bildkanal. Bilderdienst dabei bitte nicht falsch verstehen. Das ist nicht nur eine Bildlegende, sondern im IPTC-Feld "Caption" steht dazu immer der dazugehörige Text drin. Und das ist immer einiges mehr als eine Legende.

Das ist ein Bein.

Das andere steht aber immer noch in enger Beziehung zur gelben Post. Zwar liegt heutzutage das Material immer in Dateiform vor (Texte als rtf, das universelle, von jedem System lesbare Textformat, denn nicht jeder hat Word!), aber die Texte werden immer noch gedruckt (die meisten Adressaten haben nämlich gerne Papier zum Lesen in der Hand, anstatt sich immer nur über den Bildschirm zu klicken) und mit den Bild- und Textdateien auf CD an die Kunden verschickt. Da gehört natürlich auch ein anständiger Angebotsbrief dazu (in dem - logo - auch meine Web-Adresse(n) mit drinstehen.

Nachstehend mal so ein paar Beispiele zum Themenspektrum, das da so bearbeitet wird.

Dazu das passende Foto und der "Käs' ist gegessen". Entweder es wird was oder es wird nix. Basta. So einfach ist das. Meine Erfahrung: meist wird's was. Okay, das macht meine Erfahrung und Routine. Wer noch nie eine Redaktion von innen gesehen hat und die Arbeitsweisen und auch Vorlieben der Kollegen etwas kennt, der tut sich etwas schwerer. Aber das ist lernbar.

Und der Themen sind gar viele. Jede Zeitung und jede Zeitschrift hat eine Wissens-Rubrik, die es Woche für Woche zu bestücken gilt.
Unten noch so ein Beispiel für ein Komplett-Feature mit Bild und Text (veröffentlicht in einer Kundenzeitung einer Supermarktkette).

Den Reisefotografen bietet sich da auch genügend an, was sie als Features absetzen können (auch wenn People klar besser laufen), aber bitte auch immer mit dem Text dazu. Es reicht wirklich nicht, nur zu knipsen. Ohne die notwendige Hintergrundinformation dazu (in flotter Schreibe bitteschön) ist das halt einfach nur ein Bild. Von Motiven, die - zumindest überwiegend - mit Gewißheit schon 186.305-mal abgelichtet worden sind.

Und dann biete ich auch noch die richtigen Geschichten an (gern genommen und immer gesucht sind "Menschen und Schicksale"), mit etwas mehr Text als nur den informativen oder unterhaltsamen Kurztext. Das geht dann ganz normal per Post raus. Mit einem gedruckten Angebots-Newsletter und den Low-Res-Bildern zur Ansicht auf einer CD. An gezielt ausgewählte Adressaten. Die High-Res-Daten werden nachgeliefert, wenn der Kunde tatsächlich veröffentlichen will und die Honorarfrage geklärt ist.

Auch dazu ein Beispiel.

Der Flyer, der mit CD (mit Low-Res-Ansichtsbildern) rausging. Und was draus wurde.

Bei Archivmaterial "zieht" das symbolhafte Bild. So wie das unten. Der Stinkefinger ist übrigens mein eigener. Und aufgenommen wurde das Ganze mit der "Amateur-Knipse" Nikon Coolpix P5000.

Und wenn das nicht das Symbol ist für einen Hitzesommer ....

Oder das für die schlimmsten Depressionen, die man sich vorstellen kann.

Zum Abschluß (und das meine ich absolut ernst): wer sich seine Nische sucht, der wird Agenturen irgendwann wirklich nur noch als Zubrot ansehen, meinetwegen auch Micros, aber er wird sein Business selbst machen können. Man muß zwar ständig umdenken, sich immer wieder was Neues einfallen lassen. Aber das macht die Sache auch spannend. Zähigkeit, Flexibilität, Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen sichern langfristig einen eigenen Markt.

Kommentare:

  1. Ach ja, ich vergaß, zur Welthauptstadt der Knöpfe, dem oberpfälzischen Bärnau, gab es (auch) dieses Bild. Eine Studioaufnahme, die natürlich nicht in Bärnau entstanden ist, aber m.E. auf sehr schöne Weise (ich meine: als Eyecatcher) die Produkte aus Bärnau zeigt (ist ja egal, ob die wirklich von dort kommen).

    AntwortenLöschen
  2. Ähm, um nochmal auf Microstock zurückzukommen:

    Da hat man keine Nischenposition, da ist man Masse, einer unter zig anderen, da zählt man zur "Crowd". M.E. besser, man ist "Crop". Denn "An der Spitze ist immer Platz!", lautet ein alter Spruch.

    Meine Empfehlungen für Männer und Frauen an der Spitze:

    http://www.plainpicture.de/

    http://www.buchcover.com/

    AntwortenLöschen
  3. Ach ja, noch was zu Wilfried Lipinski, diesem Super-As unter den Rollstuhlfechtern:

    Das ist mein Schwager, der jüngste Bruder meiner Frau und unser Trauzeuge. Und über ihn findet man verdammt viel bei Google.

    AntwortenLöschen