Donnerstag, 9. Dezember 2010

Trendwende?

Wenn ich mich kritisch zu den Auswüchsen des Fotogeschäfts im digitalen Zeitalter geäußert habe, im Speziellen zu den immer neuen, immer höher auflösenden und immer teureren Arbeitsgeräten, wurde ich das ein oder andere Mal schon gerne als ein Ewig-Gestriger verschrien und verspottet. Und nun stelle ich in jüngerer Zeit mit Erstaunen vermehrt fest, hier doch nicht allein auf verlorenem Posten zu stehen. So geschehen bei einem unserer letzten Stammtische.

"Jetzt ist Schluß!"

"Die D3X war meine letzte Anschaffung einer digitalen Reflex. Jetzt ist Schluß!" Es ist ein zwar nicht mehr ganz so junger Kollege, von dem diese Aussage stammt, aber er ist immerhin gute fünfzehn Jahre jünger als ich. Und einer mit knapp über vierzig kann kaum im Ruche stehen, etwas "antiquiert" zu sein.

Er ist auch kein Pressefotograf. Keiner, der in den News arbeitet. Auch keiner der bei der Zeitung angestellten Fotografen. Keiner, der schnell sein muß. Es ist ein Editorieller, ein Foto-Designer und Stock-Fotograf wie ich auch. Und hat sich parallel zur teuren D3 preisgünstig eine gebrauchte F5 gekauft!

Warum?

"Wenn ich heute eine Kamera kaufe, dann muß sie sich schon in den ersten paar Monaten amortisieren. Denn in längstens zwei Jahren gibt es ein neues Modell. Und diese Kurzlebigkeit wird mir einfach zu teuer."

Das leidige Thema Investitions-Kosten treibt auch ihn um. Mit einer Kamera für rund 6.000,-- € mußt du viel fotografieren (und viel für gutes Geld verkaufen), damit sich ihre Anschaffung lohnt. Und, wie auch ich, verläßt sich der Kollege prinzipiell nur auf die High-End-Produkte. Denn, wie auch bei mir, spielt die Belastbarkeit und bedingungslose Zuverlässigkeit seines Handwerkszeugs in allen Situationen für ihn eine entscheidende Rolle.

Das Kriterium Robustheit aber erfüllen nur die voll-professionellen (und teuren) Geräte. Die auch dann nicht gleich ihren Geist aufgeben, wenn der "Spiegelreflex-Computer" mal in einen Regenguß geraten oder vom Tisch gefallen ist. Und gleichzeitig unterliegen sie aber den gleichen kurzen Zyklen wie auch die preiswerteren Mid-Class-Kameras. Hatte Nikon z.B. im Bereich der analogen Profi-Kameras mal eine Produktions-Spanne von rund 10 Jahren, so überlege man mal, wie wenig Zeit nur vergangen ist zwischen der D1 und der D3 von heute.

Nicht in Abrede zu stellen, daß die "News-Boys" heute gar nicht mehr anders arbeiten können als mit digitalen SLR. Aber Fotografie ist mehr als News. Viel mehr.

Und deswegen können auch die schnellen News-Fuzzies (meinen Respekt vor einem harten Job, Kollegen!) bei diesem Artikel mal einfach "die Ohren umklappen" und die Augen zumachen. Brauchen gar nicht weiterzulesen. Sie haben nichts davon. Und müssen sich deshalb auch nicht in ihrer digital schnellen Weltanschauung angegriffen fühlen. Denn dieser Artikel wendet sich ausdrücklich nicht an sie!

Sondern an diejenigen, die sich den vielen anderen Facetten der Fotografie widmen. Und die profitieren vielleicht von meinem Artikel. Und vielleicht auch ihr Portemonnaie.



Ein paar objektive Überlegungen ...

... und ganz subjektive Betrachtungen zum Thema Film vs. digital ...

Auf einer Reise hatte ich früher mal vorzugsweise die Nikon F2 dabei (s. oben). Warum? Nun, die funktionierte im Zweifelsfall auch ganz ohne Strom. Und selbst an der F4 hatte ich zumindest noch eine mechanische Verschlußzeit.

Bin ich heute auf Reisen, dann hängt jeden Abend der Akku im Hotel an der Steckdose!

Denn fotografieren ohne Strom? Geht nicht mehr! Keine Ahnung, wieviele Akkus man z.B. für eine Sahara-Expedition einpacken müsste.

Und auch in "zivilisierten" mitteleuropäischen Gefilden nehmen die Ladegeräte für die verschiedenen Kameras eine ganze Menge Platz im Gepäck weg. Mehr als Ersatz-Batterien und Filme mal beansprucht haben. Und mit einer Speicherkarte kommt man auch nicht aus. Ich habe dreißig (!) davon und die sind in einer Agfa-Dose verstaut, in die mal 20 KB-Filme passten. Ich benutze nämlich "normal" dimensionierte Karten mit maximal 1 GB, vorzugsweise aber mit 250 MB. Aus Sicherheitsgründen. Denn auch Karten können ihren Geist aufgeben und dann 4 GB Fotos drauf haben, das ist ärgerlich. Und ein wirtschaftlicher Schaden. Denn einfach wiederholen kann ich "det Janze" ja nicht. Also lieber mal öfter die Karte wechseln.

Daß meine analoge F4 auf Reisen immer noch mit im Gepäck ist, kommt deshalb nicht von ungefähr. Sie ist meine Rückversicherung (und zugleich meine Basis für großformatige Scans mit 4.000 dpi vom Dia).

Und damit wären wir bei einem weiteren Punkt:

Ein 100 ASA KB-Dia (im Fachlabor entwickelt) hat (wenn wir die in aufgezeichneten Linien meßbare Güte des Films mal in Pixel umrechnen) eine Auflösung von ca. 22 Megapixeln. Selbst durch die Verluste beim Scannen bleibt davon aber doch noch genug übrig. Genug für jede Doppelseite.

Nicht zu verschweigenden Nachteilen ...

Was ich wettmache durch geringere Investitionen in Aufnahmegeräte neuesten Datums, dem steht auch Aufwand gegenüber. Und - wenn auch in längeren Zyklen - die Investition in bessere Scanner-Technologie.

Ich benötige zur Vermarktung auf jeden Fall eine digitale Bilddatei. Ich muß also scannen. Hochwertig scannen. Und nachbearbeiten. Ausflecken und Retusche in Photoshop fallen an. Der Zeitaufwand (nach der Aufnahme) ist gewiß um einiges größer.

... stehen weitere Vorteile gegenüber

Aaaaber, und jetzt kommt es, aber, um meinen Aufwand in vertretbarem Maß zu halten, selektiere ich viel differenzierter als ich das bei bereits digital aufgenommenen Fotos tue. Und 100 Dias auf dem Leuchtpult mit Lupe habe ich schneller bewertet als die gleiche Anzahl von Digitalaufnahmen mittels (z.B.) Nikon-View (einschließlich Einzoomen auf 100 Prozent).

Ein weiterer Punkt:

Bei der Arbeit auf Film bin ich bereits bei der Aufnahme sorgfältiger. Das stelle ich jedenfalls bei mir fest. Digitale Shots kosten kein Geld. Da ist der Auslöser schneller betätigt. Ausschuß wird hinterher gelöscht. Anders bei Film. Ausschnitt, Belichtung, Schärfe, diesen Parametern wird schon bei der Aufnahme selbst wesentlich mehr Beachtung gewidmet.

Kommentare:

  1. Wäre ich der Kollege gewesen hätte ich mir aber die D3x gekauft,ist Vollformat und hat 24,4 Megapixel, das sollte doch für ein paar Jahre reichen .
    Die D3s wird haupsächlich von Kollegen der Sportfotografie verwendet, ist zwar schnell hat aber eben "nur" 12 Megapixel.

    Wollte ich nur mal am Rande anmerken.

    Weihnachtliche Grüße

    Dieter Hillenbrand

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Randbemerkung genehmigt, lieber Kollege aus dem Rhein-Neckar-Raum.

    Ich habe aber auch den Tippfehler korrigiert. Es ist nämlich die D3X. Darf ja mal vorkommen, nech?

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  4. Der Kommentar von Dieter Hillenbrand ist ausgesprochen symptomatisch. Auch ohne Angabe einer Website erkennt man aus dem Duktus, es hier mit einem typischen Vertreter des Metiers Pressefotografen zu tun zu haben.

    So ganz bin ich ja nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen, um das nicht zu erkennen.

    Symptomatisch auch, daß sich postwendend der Rhein-Neckar-Raum zu Wort meldet (wenn Yasni nicht lügt und so der von "Anonym" verwendete Name denn auch tatsächlich stimmt).

    Postwendende Reaktionen auf Posts zeugen ja eigentlich von einer regelmäßigen Leserschaft. Nun wäre ich aber so was von geradezu baff erstaunt, ausgerechnet in der Region Rhein-Neckar so viele professionelle Fotografen als treue Leser zu haben.

    Und noch baffer erstaunt es, daß aber immer justament dann, wenn ich - mal wieder - etwas äußere, was der geschätzten Zunft nicht ins geschätzte Weltbild passt, diese "treuen Leser" sich zu räuspern gedenken.

    In kurzer Abfolge, nachdem ein anderer Bewohner der Rhein-Neckar-Region in einem mit "Ach nö..." betitelten Post das Wort "bescheuert" zu gebrauchen sich bemüßigt sah.

    Was ja nun nicht nur kein freundliches Wort ist, sondern evtl. und ggf. vielleicht schon die Grenze zur persönlichen Beleidigung ganz hart touchiert.

    Langer Rede kurzer Sinn:
    "Liebe" sog. "Kollegen", Konstruktivität und Aufgeschlossenheit, die Akzeptanz anderer Meinungen, Toleranz und der Austausch über Für und Wider, das sind die Wege, auf denen es lohnt zu gehen.

    In diesem Sinne!

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  5. Durch Zufall auf diesen Blog gestossen, muss ich Herrn Roth umfassend zustimmen - auch wenn ich "nur" ein engagierter Hobbyfotograf mit den Themen Natur + Landschaft, Tiere und ein bischen Reitsportfotografie bin. Dem "Knipswahn" entgegensteuernd versuche ich mich mit meiner 5D/II doch so zu verhalten, als hätte ich ein analoges Gerät in Händen mit nur 36 Bildern auf dem Film - also vor dem Klick sich bildgestalterische Gedanken zu machen (ich spiele leidenschaftlich mit Schärfe/Unschärfe). Ich habe deshalb auch keine Scheu, mal ein manuelles "altes" Objektiv vor die 5D zu hängen.
    Wobei die analoge Welt immer noch einen Reiz ausmacht, sei es mit einer EOS 50N, einer A1(FD), einer Rolleiflex TLR oder einer Super Ikonta 6x9 (usw.,pp.). Leider fehlt es mir dann doch an einem modernen Scanner, ein "betagter" Mittelformat-Scanner von Canon muss es halt auch tun (bis 6x12, 2800 echte dpi), aber wir Amateure müssen auch keine Fotos verkaufen.

    Trotzdem finde ich auch eine Ixus (80i) gerade, wen man sich auf dem Pferd befindet, ein super Gerät (Bild-Stabi!), oder für Firmenveranstaltungen eine Lumix G1 mit einem tollen lichtstarken (manuellen) Objektiv nicht verachtenswert.

    Sie werden es nicht glauben, aber ich habe Profis schon mit einer G1 bzw. Nachfolger fotografieren gesehen, gerade wenn es etwas unauffälliger sein sollte (Gab es da nicht auch mal namhafte Profis, die vorzugsweise mit einer Messucher-Leica - etc. - unterwegs waren?).

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  6. @ Pinto: Vielen Dank für diesen Kommentar.

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