Samstag, 1. Mai 2010

Gedanken zum Tag der Arbeit

1. Mai, Maifeiertag, Tag der Arbeit. Anlaß genug zum Innehalten und Nachdenken. Über die Arbeit und die Geschichte der Arbeit. Und auch der Arbeiterbewegung (oben im Bild: Angehörige der Naturfreunde, ca. 1923, vorne rechts mein Großvater väterlicherseits).

Arbeit, das war in den Zeiten, da die Arbeiterbewegungen den 1. Mai als Feiertag einforderten, für die meisten Arbeiter noch Schwerstarbeit.


Eine "Kathedrale der Arbeit", das UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte im Saarland

Warum also nicht gerade am Tag der Arbeit mal ein Zeugnis der Geschichte der Arbeit und der Schwerindustrie besuchen?

Die Völklinger Hütte im saarländischen Völklingen war über ein Jahrhundert lang ein Eisenwerk. Sie wird oft als "Ikone der Industriekultur" oder als "Kathedrale der Arbeit" bezeichnet, die mit den Namen C. Röchling, S. Thomas und ab 1982 mit Arbed Saarstahl GmbH verbunden bleibt. 1994 erhob die UNESCO die Völklinger Hütte aus der Blütezeit der Eisen- und Stahlindustrie als erstes Industriedenkmal auf der Welt in die Liste der Weltkulturerbe der Menschheit. Einzigartig ist, dass alle Phasen der Roheisenerzeugung am authentischen Ort nachvollziehbar sind. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist heute der wichtigste Standort der Industriekultur in Europa. Sie ist Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH). Außerdem gibt es zahlreiche kulturelle Veranstaltungen in der Hütte, die jährlich von über 200.000 Menschen besucht wird.

Wie lange noch hält der Generationenvertrag?

Auch eine Überlegung zum Tag der Arbeit.

Alle Deutschen, die heute über 65 sind, haben den Generationenvertrag erfüllt: sie haben Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut, sich krummgelegt für Haushalt und Familie, die Beiträge gezahlt für die Rente ihrer Eltern und Kinder gezeugt, so dass es eine Folgegeneration gegeben hat. Seit den 70er Jahren ("Pillenknick") jedoch hat sich die Situation dramatisch verändert: immer mehr Menschen haben eine andere Lebensform gewählt, ohne Kinder. Die Geburtenzahlen sind drastisch rückläufig, zugleich auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Erwerbstätigen. Und die Alten werden immer älter. Wo sind die kreativen Denkansätze in Deutschland, das Problem zu lösen? Wo ist der Blick zu unserem Nachbarn auf der anderen Rheinseite, auf Frankreich? Schon seit den 60ern betreibt Frankreich eine konsequente Förderung von Familien und Frauenerwerbstätigkeit, mit Ganztagskindergärten und Vorschulen (ecole maternelle) und Ganztagsschulen. Und diese familienfreundliche Politik lässt die Geburtenzahlen steigen. Und hat zugleich hundertausende neuer Arbeitsplätze im Bereich der Kinderbetreuung geschaffen. // Stichworte: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Familienförderung, geburtenschwache Jahrgänge, geburtenstarke Jahrgänge, Familienfoerderung, Erziehungsgeld, Kindergeld, Familiengeld, Arbeit und Soziales, Erwerbsquote, Lohnquote, Sozialversicherung, Nullrunde, Nullrunden - Aufnahmedatum: ca.1940 / Repro: Cornelia Galisch

Zur Geschichte des Maifeiertags in Deutschland

Obwohl der 1. Mai schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts international als ein Tag der Arbeiterbewegungen galt, Maikundgebungen abgehalten wurden (meines Wissens erstmals 1856 in Australien zur Durchsetzung des 8-Stunden-Tags), wurde der 1. Mai pikanterweise in Deutschland erst 1933 gesetzlicher Feiertag (der Weimarer Nationalversammlung war es nicht gelungen, Einigkeit über den 1. Mai als Feiertag zu erzielen). Und am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften in Deutschland verboten und die Gewerkschaftshäuser gestürmt. So wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch Bestätigung des Alliierten Kontrollrates und Aufnahme in die Feiertagsgesetze der Bundesländer der 1. Mai tatsächlich zu einem richtigen Tag der Arbeitnehmer.

Der historische Rückblick zum 1. Mai:

Heute vor 20 Jahren: Erste gesamtdeutsche Maikundgebung am 01.05.1990 (in Nürnberg). Die Gewerkschaften fordern die 35-Stunden-Woche. Foto im Vertrieb von KEYSTONE.

Kommentare:

  1. Schöner Beitrag, und: Arbeite nicht so viel !! ;-))

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  2. Danke, Ralf.

    Den heutigen Tag der Arbeit werden wir bestimmt mit ausgiebigem Nichtstun verbringen. ;-))

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