Sonntag, 8. November 2009

Pirmasenser Impressionen

Da wäre zum Einen Peter Kaiser, gegründet 1838, und Europas älteste Schuhfabrik.



Und nicht weit entfernt davon eine verfallende alte Villa, nicht gerade Werbung für PS, wie das Plakat davor uns suggerieren will.


Updated 09.11.2009:

Ich habe nun mal zu der Villa recherchiert. Es ist die Loeser-Villa (Löser-Villa) der Familie des Fotografen Wolfgang Loeser. Auch hier wurde der Denkmalschutz aufgehoben! Interessanterweise macht sich in Pirmasens "DIE LINKE" für das verfallende Gebäude stark: http://www.westpfalz-journal.de/Seiten/100politikallgemeinseiten/Eschrich/47-villa.htm

Und wenn man den Gerüchten und Spekulationen nachgeht, dann wird auch dieses Baudenkmal wahrscheinlich abgerissen werden!

Ich zitiere unkommentiert aus der Pirmasenser Zeitung (PZ) - online - vom 12. November 2008:

Ärger im Hauptausschuss wegen Weiner-Brief
Nach SPD-Protesten Beschluss über Sanierungsgebiet vertagt


Ärger hat's hinter verschlossenen Türen am Montag im Hauptausschuss gegeben. Nach Protesten von SPD-Fraktionschef Norbert Stretz hat Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis das erste Thema von der Tagesordnung genommen.

Unter Punkt 1.1. wollte das Gremium beschließen, die vorbereitende Untersuchungen für das anvisierte Sanierungsgebiet Lemberger Straße/ Landauer Tor um zahlreiche bebaute und unbebaute Grundstücke zu erweitern. Damit wäre auch die marode Loeser-Villa in das Gebiet gerutscht. Das pikante an dem Fall: CDU-Stadtrat Thomas Weiner versucht in seiner Eigenschaft als Immobilienmakler das marode Haus einem Investor schmackhaft zu machen und hat mögliche Investoren auch schon schriftlich signalisiert, dass mit einer Aufnahme des Hauses ins Sanierungsgebiet zu rechnen sei. Für die in Zeiten des aufkommenden Wahlkampfs kritischere SPD hat der Fall "ein Geschmäckle". Den Pirmasenser Genossen stößt vor allem auf, dass Weiner schon Schreiben mit dem Hinweis auf das Sanierungsgebiet verschickt haben soll, obwohl das Thema noch mit keiner Silbe in den politischen Beschlussgremien besprochen war. Die SPD will deshalb klipp und klar wissen, woher der Immobilienmakler diese Vorab-Informationen hatte. "Vorher werden wir nicht zustimmen. Die Ungereimtheiten müssen aufgeklärt werden", machte Fraktionschef Norbert Stretz auf PZ-Anfrage deutlich. Die SPD-Kritik wies Weiner gestern auf PZ-Anfrage zurück. Er versicherte von Seiten des Bauamtes sei ihm signalisiert worden, dass geplant sei, die Villa ins künftige Sanierungsgebiet aufzunehmen. Von sich aus sei er in dieser Sache nicht aktiv geworden. Die beiden Interessenten hätten nicht verlangt, das Haus wegen eventueller steuerlicher Vorteile ins Sanierungsgebiet aufzunehmen. Um Kritik wegen möglicher mittelbarer Vorteilsnahme erst gar nicht aufkommen zu lassen, habe er auch extra einen Ersatzmann in den Hauptausschuss geschickt. An der Villa verdiene der nichts, die Rettung des bauhistorischen Schmuckstücks in der Lemberger Straße liege ihm aber persönlich sehr am Herzen, versicherte der Landtagsabgeordnete. Oberbürgermeister Matheis teilte der PZ schriftlich mit, dass er sich nicht erklären könne, wie es zu dem von der SPD beanstandeten Schreiben Weiners kam. Er habe deshalb vorgeschlagen, Weiner in einer der nächsten Sitzungen auf die Kritik anzusprechen. Bis dahin werde die Vorlage zurückgestellt, schreibt der OB ohne den Namen Weiner in seiner Stellungsnahme zu nennen. Matheis wies auch ausdrücklich darauf hin, dass die Stadt in der Vergangenheit offensiv mit den Möglichkeiten umgegangen sei, die ein Sanierungsgebiet biete, wenn es darum gehe, Investoren für alte Bausubstanz oder Industriebrachen zu finden. Wie Weiner bestätigte, hat er zwei potenzielle Investoren an der Angel: Einen einheimischen Handwerker und eine vorderpfälzische Gesellschaft, die sich auf die Renovierung und Vermarktung alter Häuser spezialisiert hat. Das Vormundschaftsgericht hat den Wert der 100 Jahre alten Villa mit einer Wohnfläche von 500 bis 600 Quadratmetern auf 77000 Euro festgesetzt. Ein Angebot liegt bisher unter dieser Summe. Um Investitionen zu erleichtern, war vor einigen Wochen der Denkmalschutz für das Gebäude aufgehoben worden. Der Besitzer, der ehemalige Fotograf Loeser, lebt im Altersheim und steht wegen einer Erkrankung unter Betreuung. (pio)

Hinweis: Wolfgang Loeser ist mittlerweile verstorben.

Last but not least - hier noch der Film zum Thema:



Updated II (11.11.2009):

Das Schicksal des Hauses macht mich einfach nur wütend! Deswegen noch ein Beitrag auf meinem Wordpress-Blog.

Und, nachdem ich in der fotocommunity Wolfgang Loeser und Bilder des Hauses gefunden hatte, habe ich mich auch dort beteiligt.

Des Weiteren habe ich dem OB der Stadt Pirmasens zu dem erbärmlichen Zustand dieses baulichen Kleinods eine Mail geschrieben. Die möchte ich der Öffentlichkeit nicht vorenthalten:

----- Original Message -----
From: Franz Roth
To: oberbuergermeister@pirmasens.de ; bueroob@pirmasens.de
Cc: Franz Roth
Sent: Tuesday, November 10, 2009 9:24 AM
Subject: Die Villa Loeser, ein Thema nicht nur für Pirmasens

Sehr gehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Matheis,

mit Erschrecken habe ich bei einem jüngsten Besuch meiner Heimatstadt Pirmasens den katastrophalen Zustand dieses einmaligen baulichen Kleinods der Villa Loeser in der Lemberger Str. gesehen.

Ich fühlte mich in fataler Weise an die Siebziger Jahre in Pirmasens zurückerinnert, als etwa alle Grenadierhäuser aus der Landgrafenzeit "plattgemacht" wurden und das Schützendreieck in seiner Geschlossenheit dem Ausbau der Schäferstraße zum Opfer gefallen ist.

In gleich fataler Weise fühlte ich mich, gerade gestern, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, zurückerinnert an meine Reisen in die ehemalige DDR und den damaligen maroden Zustand so wunderbarer Städte wie Meißen (das heute - gottseidank - wieder "neu erstanden" ist!).

Ich hätte nicht gedacht, so etwas im Jahre 2009 nochmal sehen zu müssen!

So konnte ich nicht umhin, dieses Thema journalistisch zu verarbeiten, zu dokumentieren und - zunächst online in meinen Blogs - zu publizieren.

http://rothfranz.wordpress.com/2009/11/09/noch-ein-nahezu-unglaublicher-skandal-um-ein-architektonisches-kleinod-in-der-sudwestpfalz/

Eigentlich wäre es meine Intention, für meine Heimatregion Südwestpfalz in positiver Weise "die Werbetrommel zu rühren". Doch ist es auch journalistische Aufgabe, "den Finger in die Wunde zu legen" und auf solche Unmöglichkeiten aufmerksam zu machen.

Es kann nicht angehen, daß solche architektonischen Kleinode für immer verschwinden oder "entkernt" und "luxussaniert" und damit ihres Charakters beraubt werden.

Wenn ich nicht arg falsch informiert bin, dann bestünde die Möglichkeit für den denkmalgerechten Erhalt dieses Gebäudes, das zum Gesicht der Stadt Pirmasens gehört, Fördermittel der Denkmalbehörde zu erhalten.

Ich darf Sie zunächst auf diesem Wege bitten, Ihren Einfluß als OB in dieser Richtung geltend zu machen, um eine würdige Erhaltung dieser architektonischen Einmaligkeit zu erreichen.

Gerne erwarte ich Ihre Rückantwort (natürlich auch in Kommentarform in meinen Blogs).

Mit freundlichen Grüßen
Franz Roth

http://www.franz-roth-presse.de/

Kommentare:

  1. "...nicht gerade Werbung fuer PS"
    Wer wird denn gleich so pessimistisch sein, die Villa waehre doch eine prima Location um ne neue Episode von Psycho zu drehen. Norman Bates wuerde sich da bestimmt wohlfuehlen...

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  2. Ich hoffe, dass dem Haus nicht das gleiche Schicksal widerfährt wie dem Herrenhaus auf dem Felsenbrunnerhof.

    Vor guten 30 Jahren war die Villa schon mal in so einem gottserbärmlichen Zustand.

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  3. ja rein in die villa,Geisterhaus..da musst dich schon trauen !

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  4. Leider haben wir auf Samos auch viele solch baufaellige Haeuser. Viele Bewohner sind vom Dorf in die Stadt gezogen, das Elternhaus leer stehen lassen.

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  5. Irgendwie ging es mir mit der Villa Loeser wie bei dem Herrenhaus auf dem Felsenbrunnerhof:

    Ich sah, daß der Zwiebelturm der Villa irgendwie mit einer Plane gesichert war, dachte "Ach, da ist man ja am Arbeiten!" und wollte einfach nur ein paar Fotos machen.

    Wie auch bim Herrenhaus sollte das das "Vorher" werden und wenn's dann restauriert ist, dann wollte ich die "Nachher"-Bilder machen.

    Es ist wie ein Dejavu! Hinterher recherchierst du und stößt wieder auf das Wort "Abriß"!

    Dabei liegt es in der Region doch mit dem Tourismus im Argen!

    Da kann ich doch nicht die Sehenswürdigkeiten plattmachen!


    Ich versuche nun schon seit zwei Jahren die Werbetrommel zu rühren und stelle - auch in meinen Blogs - alles zusammen, was es so gibt. Auch das Unbekannte.

    Und die kommunale Politik scheint sich nach wie vor mit "Schuhkompetenz" zu beschäftigen und träumt von der "guten alten Zeit", als Pirmasens noch die "Deutsche Schuhmetropole" war. Als ob die Schuhindustrie wieder in die Südwestpfalz zurückkäme! Geschweige denn mit Arbeitsplätzen und Einkommen.

    Reisen und Urlaub in Deutschland ist "in", nicht zuletzt, weil die Menschen weniger im Portemonnaie haben. Da muß doch die Denke in diese Richtung gehen.

    Da muß man doch die Historie der Schuhmetropole attraktiv präsentieren.

    Und dazu gehört auch die Villa Loeser!

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  6. ... wäre übrigens doch auch eine interessante Aufgabe für den Historischen Verein Pirmasens:

    http://www.historischer-verein-pirmasens.de/

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  7. Ich habe eine Antwort aus Pirmasens zur Villa Loeser erhalten (von wem anonymisiere ich mal lieber):

    Schönen guten Tag Herr Roth,

    uns ist das Haus unseres ehemaligen Vorsitzenden bestens bekannt. Nach seinem Tod haben wir sein Erbe mit einer anderen Immobilie angetreten. Vielleicht kennen Sie es, das Häusel in der Blockbergstraße 18. Für unseren Verein bedeutet dieses Vermächtnis bereits eine große Herausforderung, die wir bereits im zweiten Jahr relativ gut gemeistert haben. Jedoch ist auch ein Objekt genug und bringt uns in Zeiten der knappen Kassen fast an den finanziellen Ruin. Alleine die Unterhaltung kostet 1500,- € im Jahr. Gerne nehmen wir Spenden auch von Ihnen entgegen, um Denkmäler wie dieses zu retten. Schauen Sie doch mal auf unsere Homepage.

    Da wir uns der Verantwortung für diese Gebäude bewusst sind, versuchen wir vielen Interessierten Pirmasenser Geschichte näher zu bringen. Zwingen kann man niemanden. Allem voran braucht es Aktivität! Ein bloßes Bedauern, Bestaunen oder Konsumieren hat noch nichts verändert. Erfahrungsgemäß sind es immer Wenige die etwas tun und nach meiner Erfahrung werden die auch immer weniger. In diesem Sinne.

    Herzliche Grüße aus Pirmasens


    Ähm, hatte ich nicht eigentlich die Beantragung von Fördermitteln angesprochen?

    Daß diese bislang nach meinen Quellen zu keinem Zeitpunkt beantragt worden sind?


    Kein Wort dazu!

    Stattdessen mir empfehlen, doch was zu spenden!

    Mann, Mann, Mann, ich spreche hier jetzt bewußt nicht von Ignoranz ...

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  8. >>>Allem voran braucht es Aktivität! Ein bloßes Bedauern, Bestaunen oder Konsumieren hat noch nichts verändert.<<<

    Noch ein Wort dazu:

    Ich entwickle Aktivitäten zur Förderung der Region, um sie einem breiteren Publikum bekannt zu machen!

    Auch meine Workshops sollen das erreichen.

    Ich muß dazu aber sagen:
    Bring mal in Pirmasens eine Gruppe von Leuten in einem vernünftigen Hotel unter. Meine mit "vernünftig" sowohl halbwegs preisgünstig als auch halbwegs mit Standard.

    Man suche mal dort und in der Umgebung nach Unterkünften im Internet. Klar, gibt welche.

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  9. Das mit der "Aktivität", die's bräuchte, das wurmt mich doch gewaltig!

    Meine Aktivitäten (!!!)

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