Dienstag, 1. Dezember 2009

Bundesverfassungsgerichts-Urteil zu verkaufsoffenen Adventssonntagen

So wie hier am Rande des weltberühmten Nürnberger Christkindlesmarktes liebt es der Einzelhandel: Weihnachtsrummel (und Weihnachts-Streß) satt.

Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hat heute entschieden, daß es nicht verfassungskonform ist, wenn die Geschäfte an allen Advents-Sonntagen geöffnet haben.

Geklagt hatten die Kirchen gegen das Land Berlin.

Das Gericht begründete sein Urteil (nur zwei verkaufsoffene Adventssonntage) u.a. damit, daß andernfalls die grundgesetzlich garantierte und geschützte Sonntagsruhe nicht gewährleistet sei.

Andrang auf den öffentlichen Toiletten in der U-Bahn-Station Lorenzkirche in Nürnberg während des Christkindlesmarktes

Ich begrüße, ebenso wie die Kirchen, dieses Urteil.

Es wendet sich eindeutig gegen die immer weiter um sich greifende Monetarisierung und Kommerzialisierung aller Lebensbereiche.

Advent ist eine "stille Zeit", eine Zeit der Einkehr und Besinnung. Eine Zeit, in der die Familien Zeit füreinander haben sollen. Zeit der Zuwendung. Zeit, gemeinsam zu basteln, zu singen, Plätzchen zu backen.

Seine Weihnachtseinkäufe muß man nicht unbedingt am Sonntag erledigen.

Alle klagen über Weihnachtsrummel, die stressige Adventszeit und dann stürzen sie sich ins sonntägliche "Einkaufsvergnügen".

Anstatt die Vorweihnachtszeit tatsächlich als eine Gelegenheit zu nutzen, etwas zur Ruhe zu kommen von der Hektik des Alltages.

Der Einzelhandel und die Kaufhausketten und Supermärkte werden nicht bankrott gehen, wenn die Läden sonntags geschlossen sind!

Kommentare:

  1. Ein Aspekt dieser ganzen Misere ist wahrscheinlich auch, daß wohl viele Menschen garnicht mehr die Ruhe aushalten und sich "besinnen " wollen!
    Und sich – im Zeitalter der vielen Einpersonenhaushalte – in den Fußgängerzonen und ihren Geschäften/Buden oder gar in den Einkaufszentren am Stadtrand heimischer fühlen als in der Kirche oder bei sich zuhause!

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  2. Das mag durchaus ein Aspekt sein.

    Doch Ruhe nicht aushalten? Nicht innehalten können? Muß der Mensch denn immer "aktiv" sein, "etwas tun"? Von früh bis spät?

    Der zeittypische Ein-Personen-Haushalt, ist das die neue Norm? Aber waum? Warum nicht zumindest ein Paar-Haushalt? Weil das bereits "faule Kompromisse" bedeutet? Sich aufeinander einzulassen, die Dinge des Lebens miteinander zu tun, anstatt nur den eigenen Interessen zu fröhnen? Weil es die eigenen Egoismen einschränkt?

    Apropos Egoismen: Kirche ist nicht nur Gottesdienst, sondern auch gesellschaftliches Engagement. Gleich welcher Konfession. Gesellschaftliches Engagement ist aber auch, gerade in der Vorweihnachtszeit und Weihnachtszeit, an die zu denken, denen es nicht gut geht. Zu helfen. Freude zu machen.

    Wesentlich ergiebiger - für mich jedenfalls - als sich auch noch in dieser Zeit in den Konsumrausch zu stürzen.

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